Kurt Krickler

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Kurt Krickler (geb. 7. April 1959) ist Übersetzer für Dänisch, Journalist und österreichischer Schwulenaktivist der ersten Stunde, der auch international tätig ist.

Leben und Wirken

Kurt Krickler studierte Übersetzer in Wien und Paris und schloß das Studium 1984 mit der Sponsion zum Magister ab. Seit 1987 ist er beeideter Gerichtsdolmetscher für Dänisch.[1]

Auf dem zweiten "Ur-Treffen" der HOSI Wien im Fühjahr 1979 traf er Reinhardt Brandstätter (1952-1992) und war bis zu dessen Tod sein Lebensgefährte.[2] Sie hatten eine Katze als Haustrier.[3]

Aktivismus National

Im Jahre 1979 war er Mitbegründer der Homosexuellen Initiative Wien (HOSI Wien), dem 1. Lesben- und Schwulenverband Österreichs, und ist seitdem ehrenamtlicher Mitarbeiter in verschiedenen Funktionen. Von 1980 bis 1994 war er Auslandssekretär, seit 1984 ist er Vorstandsmitglied, seit 1994 als Generalsekretär und ist seit 1991 Chefredakteur der Lambda Nachrichten.[1][4]

Bei der Österreichischen AIDS-Hilfe war er 1985 ebenfalls Mitbegründer und bis 1991 Mitarbeiter. Auch danach arbeitete er im AIDS-Bereich mit und war etwa von 1997 bis 2002 Rechnungsprüfer beziehungsweise Vorstandsmitglied des Vereins Club plus - Menschen und AIDS.[1][4]

Seit der Gründung des Klagsverband zur Durchsetzung der Rechte von Diskriminierungsopfern (KlaV) im Jahre 2004 ist er Vorstandsmitglied.[1]

Krickler ist auch seit September 2005 Beiratsmitglied der Glocalist Review - Digitale Wochenzeitschrift für NGOs & NPOs (Wien).[1]

Er ist im Kuratorium des 1997 gegründeten Mauthausen Komitee Österreich[5] und im ExpertInnenbeirat des Mariahilfer Projektes Erinnern für die Zukunft.[6]

Aktivismus International

Innerhalb der International Lesbian and Gay Association (ILGA), des weltweiten Dachverbands von Lesben- und Schwulenorganisationen, ist er seit 1981 aktiv. Er arbeitete an diversen ILGA-Projekten mit, vertrat die Organisation als NGO-Repräsentant bei zahlreichen Tagungen der OSZE, des Europarates und der UNO (Themen: Menschenrechte, Toleranz) sowie bei AIDS-Konferenzen. Von 1997 bis 2003 war und wieder seit 2005 ist Krickler Vorstandsvorsitzender von ILGA-Europe, des im Februar 1997 gegründeten[7] europäischen Regionalverbands der ILGA.[1][4]

Seit September 2004 ist er Vorstandsmitglied der European Pride Organisers Organisation (EPOA).[1][4]

Einzelne Aktionen

Outing-Aktion

Im März 1995 war die Missbrauchsaffäre um Bischof Hans Hermann Groër ins Rollen gekommen. Die §§ 209 StGB (Schutzalter), 220 StGB (Werbeverbot), 221 StGB (Vereinsverbot) waren noch in Kraft.

Am 1. August 1995 gab Krickler als Teil der „Outinggruppe Prälat Unger“ - schwul/lesbische Initiative (Opus Lei) bekannt, dass die Bischöfe Egon Kapellari (Klagenfurt), Klaus Küng (Feldkirch), Andreas Laun (Salzburg) und Christoph Schönborn (Wien) homosexuelle Neigungen hätten. Ausdrückl wurde nicht von homosexuellen Handlungen oder Identitäten gesprochen.[8] Die katholische Kirche wurde Opfer des Outings, da sie „seit Jahrhunderten Haßtiraden gegen Schwule“ loslasse. Zudem müsse sie „für die ÖVP büßen“, welche verhindere, dass homosexuelle Naziopfer eine Entschädigung erhalten und das unterschiedliche Schutzalter nicht aufgehoben werde.[9] In einer Presseaussendung distanzierte sich die HOSI Wien hinter der Gruppe Opus Lei zu stehen und vom Outen als politisches Kampfmittel.[8][10]

Die Vorankündigung des Outings in der Zeitschrift News gab schon davor die Gelegenheit die Anliegen von Lesben und Schwulen in Österreich zu erörtern. Nach der Pressekonferenz war das Medienecho national[11] und international[12] imposant. Die lesbisch-schwule Presseschau in Berlin registrierte 264 Artikel in deutschen Printmedien. Zusätzlich kamen zahlreiche Interviews für ORF-Sendungen und Telefoninterviews für ausländische Radiostationen von Radio Brandenburg bis BBC.[10] Die differenzierten Reaktionen von schwulen und lesbischen Einzelpersonen an Kurt Krickler und die HOSI waren zu 80 % positiv.[13]

Nicht ganz korrekt wurde weiters berichtet,[10] Krickler würde im Vier-Wochen-Rythmus schwule Politiker aller Parteien outen.[9] Es war jedoch spätestens nach der ersten Pressekonferenz klar, dass jede Neuauflage ein müder Abklatsch wäre. Nach einer Besprechung unter Aktivisten aus mehreren Bundesländern wurde beschlossen Homphobie zu outen, was auch dem vielfachen Wunsch der Medien und der Öffentlichkeit entsprach vom Outen homosexueller Neigungen Abstand zu nehmen. Am 14. August erhielten drei sozialdemokratische Politiker Post von der Outinggruppe Alfred Dallinger. Der inzwischen zum Finanzstadtrat gewordene Rudolf Edlinger wurde an seine homophoben Äußerungen und Haltungen im Zuge der Verhandlungen um das neue Mietrecht erinnert. Unterrichtsminister Rudolf Scholten wurde an seine Reaktion auf ein geplantes Outing dur täglich alles erinnert. Er lies es gerichtlich untersagen, unter anderem mit dem Hinweis, dass die Öffentlichkeit keinen homosexuellen Minister dulden würde. Von beiden kamen Reaktionen durch ihre Anwälte, wo sie ihr Eintreten für Toleranz beteuerten, das unmerkbar diskret von statten gegengen sein musste. Johanna Dohnal wurde vorgeworfen in ihrer gesamten Amtsperiode als Frauenstaatssekretärin und Frauenministerin sich nie für spezielle Lesbenanliegen eingesetzt zu haben. Von ihr kam keine Reaktion. Allen kontaktierenden Journalisten im Vorfeld wurde gesagt, dass es sich um eine andere Art Outing handeln würde. Trotzdem gingen die Wogen abermals hoch und Alfred Worm (Profil) und Hans Dichand (Kronen Zeitung) riefen beispielsweise zum Boykott durch die Medien auf. Die Pressekonferenz am 1. September war gegenüber der vorherigen vergleichsweise spärlich besucht. An Kricklers Abrechung mit der lesben- und schwulenfeindlichen Politik der Sozialdemokratie beteiligte sich auch Claudia Sorger von der Sozialistischen Jugend Wien-Landstraße und der Gruppe Uns reicht's - SozialistInnen in der SPÖ wehren sich. Es wurden auch die Antwortbriefe der PolitikerInnen präsentiert. Am nächsten Tag erschienen nur drei Mini-Meldungen in der Tagespresse.[10]

Es war klar, das weitere Outing-Pressekonferenzen keinen Sinn hatten. So nahm Krickler als Teil der Outinggruppe Michaela Graff bei dessen neuerlicher Angelobung als Nationalratspräsident teil. Der ÖVP-Politiker hatte sich wiederholt gegen die Aufhebung rechtlicher Repressionen ausgesprochen. Krickler warf von der Besuchergalerie rosa Flugzettel mit dem Titel "Sonderparagraphen gegen Homosexualität sind endgültig out!" in das Plenum. Dies war dann ein unbeabsichtigter Startschuss für eine Aktion von StudentInnen, die gegen das Sparpakte demonstrierten und blaue Flugblätter niederrieseln ließen. Über deren Aktion wurde am nächsten Tag in der Presse berichtet, die Outing-Aktion jedoch totgeschwiegen. Die Austria Presse Agentur hatte sich auch geweigert den Flugblatt-Text (gegen Bezahlung) über ihr OTS-System auszusenden. Auch Versuche über den grünen oder liberalen Klub, welche einen direkten Zugang haben, eine Aussendung erreichen, scheiterte an der Ablehnung von Outings. Erst bei einem Interview mit Michael Graff im Falter vom 4. Oktober wurde das Schweigen durchbrochen. Über Krickler wurde von der Parlamentsdirektion Hausverbot verhängt, welches für einen Gesprächstermin mit Heinz Fischer ausgesetzt wurde.[10]

Weitere Outing-Aktionen gegenüber den Oppositionsparteien waren nicht geplant.[10]

Veröffentlichungen

Krickler ist Co-Herausgeber dreier Bücher, Verfasser zahlreicher Buchbeiträge und Artikel zu den Themen Homosexualität und AIDS in Mainstream- und schwul/lesbischen Medien, darunter den Lambda Nachrichten.[1][4]

  • Co-Herausgeberschaft:
    • Rosa Liebe unterm Roten Stern - Zur Lage der Lesben und Schwulen in Osteuropa, 1984
    • Homosexualität in Österreich, 1989
    • AIDS. Ein lexikalisches Handbuch, 1991
  • Chefredakteur der Lambda Nachrichten seit 1991

Auszeichnungen

  • 2006 - Zivilcourage-Preis des Berliner Christopher Street Day[14]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 1,7 Profil von Mag. Kurt Krickler. In: bizeps.or.at. 15. Januar 2005, abgerufen am 21. Dezember 2014.
  2. With Love and Respect - Reinhardt Brandstätter (1952-1992). In: hosiwien.at/love/. HOSI Wien, 18. Mai 2014, abgerufen am 21. Dezember 2014.
  3. Das Tuch für Reinhardt Brandstätter. In: namesproject.at. 22. Oktober 2005, abgerufen am 21. Dezember 2014.
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4  Christian Neugebauer: In eigener Sache – Neues Beiratsmitglied GLOCALIST Kurt Krickler. In: Glocalist Review. Nr. 82, Wien 12. September 2005, ISSN 1729-6722, S. 6 (ksoe.at - Glocalist Nr. 82 - PDF, abgerufen am 21. Dezember 2014).
  5. Über uns. Mauthausen Komitee Österreich. In: mkoe.at. Abgerufen am 22. Dezember 2014.
  6. Das Projekt : Team. In: erinnern-fuer-die-zukunft.at. Abgerufen am 22. Dezember 2014.
  7. Europäischer Lesben- und Schwulenverband gegründet: HOSI-Wien-Generalsekretär Kurt Krickler in den Vorstand gewählt. (Medienaussendung). In: hosiwien.at. HOSI Wien, 21. Februar 1997, abgerufen am 21. Dezember 2014.
  8. 8,0 8,1  Stefan Ryba, Universität Wien (Hrsg.): „Homosexualität in der Öffentlichkeit und im Wandel der Gesellschaft“ Vom Life Ball 1993 zur Akzeptanz bunter Sexualität der Gegenwart. Diplomarbeit für den Magister der Philosophie. Wien 2009, 6.1 Homosexualität und Kirche, S. 36-37 (othes.univie.ac.at, abgerufen am 21. Dezember 2014).
  9. 9,0 9,1 Rosa Attacke auf Bischöfe. In: Focus Magazin. 7. August 1995, abgerufen am 21. Dezember 2014 (Printausgabe Nr. 32/1995).
  10. 10,0 10,1 10,2 10,3 10,4 10,5  Das Outing. In: Lambda Nachrichten. Nr. 4, Wien Oktober / November / Dezember 1995, S. 8-12.
  11.  Berrechtigte Forderungen. Pressemeldungen. In: Lambda Nachrichten. Nr. 4, Wien Oktober / November / Dezember 1995, S. 14-15.
  12. BISHOPS DENY HOMOSEXUAL TENDENCIES AFTER 'OUTING' BY ACTIVIST. In: apnewsarchive.com. AP, 1. August 1995, abgerufen am 21. Dezember 2014 (english).
  13.  Outing-Raktionen. Breite Solidarität. Pressemeldungen. In: Lambda Nachrichten. Nr. 4, Wien Oktober / November / Dezember 1995, S. 16-17.
  14. HOSI-Wien-Aktivist Kurt Krickler erhält Zivilcourage-Preis des Berliner Christopher Street Day. In: ots.at. 20. Juli 2006, abgerufen am 21. Dezember 2014.