Sub: Unterschied zwischen den Versionen

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* Simon Emmerlich: [http://zeitjung.de/BILDUNG/artikel_detail,5444,Sie-kommen-in-der-Szene--oft-nicht-unter.html "Sie kommen in der Szene
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oft nicht unter" - Schwule Migranten führen in München ein Schattendasein], 2. April 2010, ZeitJung.de
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Version vom 6. April 2010, 18:43 Uhr

Sub - Schwules Kommunikations- und Kulturzentrum München

Das Sub (Schwules Kommunikations- und Kulturzentrum München) ist ein Switchboard in München.

Entstehung

Mit der Liberalisierung des § 175 im Jahr 1969 formierte sich auch in München eine neue Schwulenbewegung. Ab 1971 (Rosa von Praunheim hatte seinen Film "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt" fertig gestellt, den in München etwa 800 Kinobesucher gesehen haben) entstanden im ganzen Land Gruppen, die sich für die Rechte Homosexueller einsetzen.

In München eröffnet ein erstes Schwulenzentrum: die Teestube der Homosexuellen Aktion München (HAM), die bis Ende der 70-er Jahre Bestand hat. Die HAM ist studentisch geprägt und verfolgt radikal-revolutionäre Ziele. Ihre Grundidee: Bevor der Homosexuelle in die Gesellschaft integriert werden kann, muss zunächst die Gesellschaft umgebaut werden. Manchen geht das zu weit. 1974 gründet sich in München der Verein für sexuelle Gleichberechtigung (VSG), der im Unterschied zur HAM einen reformorientierten Ansatz verfolgt. Der Verein setzt sich für die Integration Homosexueller in die Gesellschaft ein. Auch der VSG betreibt ein Schwulenzentrum, das die Teestube ablöst und von 1978 bis 1985 zunächst in Haidhausen, später an der Dachauer Straße sitzt. Die HAM löst sich 1980 auf.

Seine Alleinstellung hat der VSG nach Auflösung der HAM nicht lange inne. Der Homosexuellen Alternative (HALT) und der Rosa Freizeit, die sich 1981 und 1983 gründen, ist der VSG zu unbeweglich, zum Teil auch zu politisch. Die Rosa Freizeit kümmert sich bald um eigene Räume, sodass es in den 80er Jahren in München zeitweise zwei Schwulenzentren gibt. Mit der Zeit entstehen in der Stadt immer mehr Interessenvertretungen, da die etablierten Schwulengruppen und Vereine weder materiell noch personell in der Lage sind, ihrer Klientel ein breit gefächertes Angebot zu machen. Wer seine Anliegen nicht verwirklichen kann, muss eine eigene Gruppe gründen. So schließen sich die Gläubigen schon 1980 in der HUK (Homosexuelle und Kirche) zusammen, Mitglieder der Rosa Freizeit rufen 1985 die autonome Gruppe Rosa Aktiv ins Leben. Vom Münchner Leder Club (MLC) spaltet sich der Cock Ring ab. In der Auenstraße 31 existiert ein eigenes Selbsthilfezentrum. Die Münchner Schwulenbewegung ist zersplittert.

Am 3. Juli 1981 berichtet die New York Times von einer seltenen Krebserkrankung bei 41 homosexuellen Männern: AIDS. Der CSU-Politiker Peter Gauweiler reagiert schnell. Der Münchner Kreisverwaltungsreferent, 1982 frisch ins Amt gewählt, fordert bald Zwangstests; er will Infizierte melden und isolieren, notfalls einsperren. Gauweiler will die schwule Infrastruktur in München zerstören, um Infektionsketten zu kappen. Zu spüren bekommt das vor allem die Münchner Szenegastronomie, der plötzlich die Gäste fehlen, weil sie Angst vor Razzien haben. Die Innenstadt ist abends wie leergefegt. Einer breiten Allianz aus Anti-Strauß-Komitee, Kommunisten und Schwulengruppen gelingt es 1987 Gauweiler mit einer öffentlichkeitswirksamen Massendemonstration („Aktion Wehrt Euch“) zu stoppen. Im Ausland wecken die Pläne Bayerns ungute Erinnerungen an die deutsche Vergangenheit; die Staatsregierung rudert zurück.

Die Münchner Schwulenbewegung lernt daraus. Zwar hatte im Januar 1984 eine gemeinsame Initiative von VSG, MLC und HUK zur Gründung der Münchner AIDS-Hilfe geführt, aus der 1985 ein eingetragener Verein wurde. Doch hatte sich die kleinteilige Münchner Schwulenbewegung ausgerechnet zu einem Zeitpunkt als schwach erwiesen, da die Schwulen einerseits durch AIDS andererseits durch die restriktive Anti-AIDS-Politik eines Peter Gauweiler bedrängt wurden. So war der Wunsch gereift, ein Schwulenzentrum zu schaffen, das alle Gruppenaktivitäten bündeln konnte.

Am 4. September 1986 wird das Schwule Kommunikations- und Kulturzentrum München gegründet und ins Vereinsregister eingetragen. Als gruppenübergreifende Institution soll der SchwuKK e.V. schwulen Männern ein vielfältiges Selbsthilfe- und Freizeitangebot machen und gleichzeitig auch politisch aktiv werden. Zwar sehen die meisten Münchner Schwulengruppen den Verein zunächst als Konkurrenten; doch bekommt das neue Zentrum rasch Zulauf von Gästen und Mitgliedern. Der Aufschwung kommt 1988, als der Schwukk e.V. in die Müllerstraße 44 zieht. Mit von der Stadt genehmigten Zuschüssen bezieht der Verein die Räume der alten AIDS-Hilfe und gründet ein erstes Zentrum, den „Sub, Infoladen für schwule Männer“. Der Infoladen ist täglich geöffnet; er bietet Beratung, Information, Bibliothek, Archiv, eine Gruppe für schwule Väter, überhaupt Gruppen für jedes Alter – ein bis dahin beispielloses Programm in der Münchner Szene. 1989 kommt mit der Rosa Liste auch eine parteipolitische Vertretung hinzu, die seit 1996 im Stadtrat sitzt. Die Rosa Freizeit löst sich 1991 auf, 1998 folgt der VSG. Im Jahr 1994 streicht die Regierung Kohl den § 175.

Seit seiner Gründung hat der Verein, der heute Sub e.V. heißt, sein Angebot ständig erweitert. 1991 wird das Sub, das ein Jahr zuvor in die Müllerstraße 38 umgezogen ist, in die städtische Regelförderung aufgenommen.

Aus Anlass des 5. Geburtstags der Organisation findet in diesem Jahr auch zum ersten Mal das Hans-Sachs-Straßen-Fest statt. 1993 nimmt das Anti-Gewalt-Projekt mit einer halben Stelle seine Arbeit auf. 1994 muss das Sub überraschend in die Müllerstraße 43 umziehen, wo es noch heute sitzt. Im Jahr 1995 bewilligt das Land Bayern Mittel, mit denen das Sub in die HIV-Prävention einsteigen kann. Im selben Jahr wird der Verein als gemeinnützig anerkannt. 1997 kann die Beratungsstelle zwei ganze Stellen besetzen. Daneben bringt das Sub immer neue Freizeit-, Selbsthilfegruppen und Projekte hervor. So entsteht im Herbst 2000 aus einem Workshop des Sub das Diversity-Café für junge Lesben und Schwule; 2002 finden die älteren Schwulen von Gay & Gray eine Heimat in der Müllerstraße und 2005 baut die Beratungsstelle mit dem Schwulen Patenprojekt einen Besuchs- und Begleitdienst für Senioren auf.

Dieser Teil des Artikels basiert auf einem Beitag von Conrad Breyer, Pressereferent des Sub, auf www.subonline.org. Wir danken für die freundliche Überlassung.

Zentrum

Das Zentrum ist in der Müllerstraße 43 unweit des Sendlinger Tores. Dort befinden sich im Erdgeschoss u.a. der Infodienst und das Café im Sub. Im Obergeschoß sind ein offener Bereich mit Sitzgelegenheiten, Leseraum und Bühne, die Bücherei, Beratungs- und Gruppenräume sowie Büros angesiedelt. Der Thekendienst im Café wird von eherenamtlichen Helfern übernommen.

Weitere Beratungsräume sind in der Pestalozzistraße 6 angesiedelt (5 Minuten vom Zentrum entfernt).

Das Zentrum ist täglich von 19:00 Uhr bis 23:00 Uhr geöffnet (Freitag und Samstag bis 0:00 Uhr).


Beratung

  • Einzel- und Paarberatung
  • Psychotherapieberatung
  • Lebenspartnerschaftsgesetz
  • Rechtsberatung
  • Beratung für Gewaltopfer
  • Coming Out

Kontakt zur Beratungsstelle: beratung@subonline.org


Anti-Gewalt-Projekt (AGP)

Beratung und Hilfe für schwule Männer, die Opfer von Körperverletzung, Diebstahl, Erpressung, Diskriminierung oder ähnlichem geworden sind.

Das Sub bietet

  • einen geschützten Raum
  • Zeit
  • Vertraulichkeit
  • Informationen über weitere Hilfsangebote für Gewaltopfer
  • Unterstützung bei juristischen Schritten
  • Unterstützung und konkrete Hilfestellungen wie z.B.
  • Begleitung zu Behörden oder Auswahl von Rechtsanwälten


Prävention

Szenenaher HIV-Test

Seit Juli 2005 bietet das Sub regelmäßig einen szenenahen HIV-Test. Hintergrund ist, den Testpersonen den Weg zu Arztpraxen und Gesundheitsämtern zu ersparen. Das Konzept wird vom Robert Koch-Institut und der Deutschen Aids-Hilfe ausdrücklich befürwortet und hat inzwischen auch Nachahmerprojekte in anderen Städten.

Sittenstrolche

Sittenstrolche

Die Sittenstrolche sind eine Aktionsgruppe von Sub und Münchner AIDS-Hilfe, die in der Szene mit Bühnen-Shows, Sketchen, Straßenaktionen und Bauchladentouren auf HIV und AIDS aufmerksam macht. Neben den Sittenstrolchen agieren die Vertrauensmänner in der Szene. Sie sind Stammgäste beliebter Kneipen und dort offiziell Ansprechpartner für persönliche Gespräche, Szene-Infos und Fragen zu HIV/AIDS. Der Infopool schließlich verteilt Informationsmaterial zum Thema. Dieses Drei-Säulen-Modell ist in der HIV-Prävention einmalig in Deutschland und in München seit 1995 erfolgreich etabliert.


Gruppen

Das Sub bietet eine Reihe von Gruppen, u.a.

  • schwule Spielegruppe
  • Ausgehgruppe
  • Gay & Gray
  • Schwule Ehemänner und Väter
  • Coming Out
  • schwul-lesbische anonyme Alkoholiker
  • Literaturtreff
  • Círculo Español
  • Elterngruppe


siehe auch

Weblinks

oft nicht unter" - Schwule Migranten führen in München ein Schattendasein], 2. April 2010, ZeitJung.de